Treffpunkt pflegende Männer – was ist denn das?

Männer, die pflegen??? Ihren Bierbauch? Stammtischgespräche? Ihr Motorrad? Treffpunkt – na klar, macht ja in der Gruppe auch mehr Spaß!

Stimmt, die Gruppe macht Spaß, den Teilnehmern und mir als Organisator! Pflegen tun die Männer auch – aber nicht Fahrrad, Motorrad, Auto, Bierbauch – nein! Sie pflegen wirklich, nämlich ihre Ehefrau oder einen Elternteil! Ja, es ist so – die früher ausschließlich Frauen vorbehaltene Domäne Angehörigenpflege wird zunehmend von Männern übernommen.

Die Pflege zuhause – aber auch in Krankenhäusern und Altenheimen – wurde sehr, sehr lange Zeit fast ausschließlich von Frauen durchgeführt, von Klosterschwestern, Krankenschwestern, Altenpflegerinnen, von nächsten Angehörigen wie Ehefrau, Tochter, Schwiegertochter – dafür steht jeder Einzelnen von ihnen auch unser aller Dank und Anerkennung zu, egal ob sie von Berufs wegen oder als betroffene Angehörige gepflegt hat! Aber mit dem gesellschaftlichen Wandel in den letzten Jahrzehnten sowie sich ändernden Einstellungen zu verschiedenen Berufen interessieren sich auch immer mehr Männer für Pflegeberufe oder fühlen sich verpflichtet, pflegebedürftige Angehörige zu versorgen  – manchmal bleibt ihnen aus praktischen Gründen sicherlich auch gar nichts anderes übrig. Die Zahlen, die es zu dieser Entwicklung gibt, sind durchaus bemerkenswert. Die Zahl der männlichen Auszubildenden in den Pflegeberufen hat sich von 2000 bis 2010 um 70 Prozent erhöht, der Anteil der Männer an den beruflichen Pflegekräften beträgt immerhin schon 20 Prozent, und ist am Wachsen. Eine noch deutlichere Sprache sprechen aber die Zahlen in der Angehörigenpflege zuhause: Über alle Altersgruppen hinweg stieg der Anteil der männlichen Pflegepersonen von 17 Prozent im Jahr 1991 auf 37 Prozent im Jahr 2010, in der Gruppe der über 60-Jährigen ist laut Studien bereits mehr als jede 2. Pflegeperson männlich! Männer übernehmen dabei allerdings nicht einfach die durch Frauen geprägte Pflege, sondern verändern sie dabei auch; sie setzen bei der Betreuung und Versorgung von pflegebedürftigen Angehörigen wie Ehefrau oder Eltern andere Schwerpunkte. Deshalb ist auch ihr Informations- und Aussprachebedarf anders, von den existierenden, weiblich dominierten Gruppenangeboten für pflegende Angehörige fühlen sie sich häufig nicht angesprochen, und sind dort auch kaum präsent. Um hier eine Lücke zu füllen, das vorhandene bewährte Angebot zu ergänzen, und den pflegenden Männern im Landkreis Ebersberg Austausch, Aussprache, Informationen und Unterstützung anzubieten, gibt es seit 2014 den „Treffpunkt pflegende Männer“ unter meiner Leitung.

Und mein Angebot kommt an: Nach durchschnittlich 2,85 Teilnehmern pro Treffen in 2014 waren es 2015 bereits 4,25 Teilnehmer, 2016 stieg die Zahl auf 7,6 Teilnehmer, bei den drei bisherigen Treffen im laufenden Jahr waren es bereits 8,7 Teilnehmer – und es dürfen gerne noch mehr werden!

Den Männern macht es Spaß, sich auszutauschen, Neues zu verschiedenen pflegebezogenen Themen zu erfahren, zu merken, dass es anderen nicht besser geht, sie durch den Erfahrungsaustausch voneinander lernen können, ihre Sorgen und Fragen loswerden. Ich habe dabei auch den Eindruck, dass den Teilnehmern bei den Treffen imponiert, dass ich als Organisator selbst pflegender Angehöriger bin, meine persönlichen Erfahrungen mit Eltern und Schwiegereltern einbringe, und vieles, was ich sage, dadurch authentisch und realitätsbezogen wirkt.

Für 2017 sind neben den drei bereits durchgeführten Treffen noch weitere sechs Abende von 19 – 21 Uhr geplant mit Themen, die der Teilnehmerkreis selbst bestimmt. Der Treffpunkt findet als offene Gruppe statt, d.h. es können laufend neue Teilnehmer hinzukommen; auf die Treffen im Familienzentrum Ebersberg wird rechtzeitig über die Presse hingewiesen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. Weitere geplante Termine sind 12.06./ 10.07./ 14.08./ 11.09./ 16.10. / 13.11. Unter meiner Telefonnummer 08092 8577863 können gerne weitere Informationen zum Treffpunkt pflegende Männer eingeholt werden, ebenso unter meiner Emailadresse Michael.Muench@caritasmuenchen.de

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